Klosteransicht
Klosterlogo

Friedrich-Franz Pingel

»Meine Kunst lebt aus und mit der Natur...« Kam in einer Familie als 7. Kind ein Knabe zur Welt, so war er nach damaliger Sitte automatisch das Patenkind des Landesherren und erhielt seinen Namen nach seiner Hoheit, dem Großherzog von Mecklenburg. So geschah es, dass der kleine Friedrich-Franz in dem wunderschönen Städtchen Malchow/Mecklenburg mit seiner zauberhaften Umgebung, reichhaltig von wunderbaren Seen und Wäldern umgeben, zur Welt kam. Die Fülle dieser Landschaft hat den jungen Pingel nachhaltig geprägt und so stark beeindruckt, dass er zwangsläufig nach Möglichkeiten suchen musste, um seinem Inneren Ausdruck zu verleihen und der Welt das zurückzugeben, was er erschauen durfte. Er wurde Lehrer, Maler, Zeichner und Kunsterzieher im wahrsten Sinne des Wortes.
Seine Gemälde sind in der Regel lyrisch, von einem friedlichen Ausdruck, ohne Dramatik, eine große Ruhe verbreitend, geprägt. Wo hingegen seine grafischen Arbeiten und Zeichnungen besonders in den frühen Jahren eine starke expressive Kraft haben, die eigenständig-dynamische und eindeutige Aussage lässt dem Betrachter wenig Spielraum für Interpretationen. Diese Gabe fiel einem seiner Lehrer, Erich Heckel (Mitbegründer der »Brücke«) recht früh auf und er ermunterte ihn, sich mehr dieser Richtung hinzugeben. Obwohl eine Vielzahl erstaunlich guter Arbeiten erhalten ist, ist doch vieles, gerade aus der frühen Zeit, durch seinen Weggang aus Mecklenburg im Jahre 1953 verloren gegangen. Dass der Künstler im hohen Alter von 80 Jahren sich noch einmal ein neues Atelier in der Nähe von Ratzeburg, seiner neuen Heimat, bauen ließ, spricht für seinen unermüdlichen Schaffensdrang. Er sagte von sich selbst später, dass dies als freischaffenster Künstler die glücklichste Zeit seines Lebens war.
Es entstand bis unmittelbar vor seinem Tode eine unglaubliche Vielzahl von Skizzen, Aquarellen und Gemälden, die alle etwas gemeinsam haben: Sie reflektieren eine tiefe religiös-humanistische Grundhaltung, eine große Ehrfurcht vor der Natur und unserer Umwelt schlechthin. Die Arbeiten werden in ihrem Grundausdruck noch stiller, sphährenhaft duftiger - besonders die Winterlandschaften -, ja fast demütig wirkend und manchmal indifferent in der Ausdrucksweise - also der Betrachter die Entscheidung seiner Interpretation und Erkenntnis für sich selbst finden muss. So klingt die liebevolle Sichtweise der Welt des Malers Friedrich-Franz Pingel, besonders durch seine späten Arbeiten, in den Beschauern weiter, bereichert sie nachhaltig und lässt sie viele Dinge unseres Daseins neu erkennen - neu gewichten - neu zuordnen.
Bis unmittelbar zu seinem Ende hin verfügte der Künstler über eine bewundernswerte geistige Vitalität. Er hatte einen sehr wachen Blick, seine fröhlich blitzenden Augen verhießen Humor, und er war ein reizender Plauderer. In seinen letzten Jahren malte Friedrich-Franz Pingel wie ein Besessener. »Ich hab´ keine Zeit mehr; ich hab´ noch so viele Ideen. Denn ich weiß ja nicht, wie lange unser lieber Herrgott mich noch auf dieser wackligen Erde lässt.«

Eckhart Krüger